Ein Fotograf der Moderne

Dezember 2010Gestern starb im Alter von 90 Jahren der US-amerikanische Fotograf japanischer Herkunft Ishimoto Yasuhiro (14. Juni 1921 – 6. Januar 2o12) .

Ich lernte ihn bzw. seine Arbeiten durch die Ausstellung im Bauhaus-Archiv kennen, da ich sehr gemischte Gefühle zu seinen Motiven habe. Ich erlebte die Villa, die er so wunderbar ohne Menschen in Schwarz-Weiß festhielt, in ihrer vollen Schönheit im Kyotoer Winter. Und alle, die diese nasse Kälte einmal mitgemacht haben, wissen, wie die Farben des kaiserlichen Vergnügungssitzes Katsura Rikyû 桂離宮 aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts leuchten und wie unangenehm das alles am Körper werden kann. Ich schaffte es an jenem Dezembertag 2010, meine Geldbörse in dem strengbewachten Garten liegen zu lassen. Das fiel mir erst am 20 Minuten entfernten Bahnhof Katsura auf. Also musste ich noch einmal durch den strömenden Regen, um meine kleine Börse glücklich und trocken in der Guest Lounge zu finden. Zu dieser Villa selbst bekommt die Reisende nur Zutritt über eine Anmeldung beim kaiserlichen Hofamt in Kyoto selbst. Und Japanischkenntnisse sind von immensem Vorteil. Dann wurde ich aber mit Anblicken belohnt, die auch deutsche Architekten wie Bruno Taut beeindruckt hatten. An meine Reise durch den Garten, in welchem Teile meines Reisetagebuches unwiederbringlich verschwimmen sollten, musste ich denken, als ich Ishimotos Bilder sah. Ich erkannte die Gebäude wieder, die die Trennung von Innen und Außen kaum kennen, die die Landschaft und die Häuser verschmelzen lassen. Hier saßen die Adligen in ihrer harmonischen Welt, weit weg vom Trubel der Hauptstadt, und dichteten, beobachteten das Spiel der Jahreszeiten und träumten von einer Welt, in der sie nicht durch den Shôgun im fernen Edo, dem heutigen Tokyo, entmachtet sein würden. Diese Muße hätte ich mir auch gern gegönnt, wenn ich nicht so nass geworden wäre.

Es sind diese Bilder, mit denen Ishimoto auch den Blick auf die moderne Architektur beeinflusste, indem er mit Walter Gropius und Tange Kenzô über die Strukturen japanischer Architektur und ihre Möglichkeiten im 20. Jahrhundert schrieb: Katsura: Tradition and Creation in Japanese Architecture (1960). Die Offenheit und Schlichtheit, die diese Männer in feudalen japanischen Bauten mit ihren Gärten sahen, prägte ihr Schaffen nachhaltig. Ich erinnere mich an die Höhe der Häuser, und auch Ishimoto nahm die Gebäude so auf, dass die Gänge für die dienstbaren Geister gut zu sehen sind. Geduckt huschten diese in feudalen Zeiten unter den Böden hindurch, um ihren Damen und Herren das süße Leben in melancholischer Naturbetrachtung zu erleichtern. Daher rührte auch die Angst, dass zwischen den Begrenzungen der Reisstrohmatten Schwerter die unbeschuhte Sohle von unten empfindlich treffen könnten. Noch heute wird ungern auf die Umrandung dieses traditionellen Bodenbelags getreten. Und mit der Beobachtung solcher Details werden Ishimotos Bilder der architektonischen Meisterleistung des Parks Katsura mehr als gerecht. Bis zum 12.3.2012 ist die Ausstellung, die durch persönliche Schenkungen des Fotografen an das Archiv bereichert wurde, noch in Berlin zu sehen.

Und die Seite des Bauhaus-Archivs ist hier: Ishimoto im Baushaus-Archiv, Berlin

Einige Bilder von ihm sind auch hier zu sehen: A Japanese Book.Dezember 2010

 
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