Mimikry in Memes

Ich könnte mich jetzt outen und zugeben, dass ich mich mit Memes noch nie auseinandergesetzt oder sie für mich für wichtig erachtet habe. Aber das wäre zu selbstbezogen und würde vom Thema ablenken. Also beginne ich damit, dass ich seit etwa einer Woche auf diese wunderbaren Bilder aufmerksam geworden bin, die mich zum Schmunzeln bringen und durchaus etwas über mich aussagen.

meme taken from mädchenmannschaft

Oder:

taken from http://thefeministbride.com/wp-content/uploads/2012/02/Feminist-Meme.jpg

Das sind diejenigen, die ich mit Frauen gefunden habe. Trotzdem mag ich auch das hier:

vom Autor Darin Calhoun

taken from Darin Calhoun's FB-page

oder von Autorin Karin Kallmaker (klassisch, auch mit Frauen)

taken from Karin Kallmaker's FB-pagetbc

beeker, mon amour

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Ein Fotograf der Moderne

Dezember 2010Gestern starb im Alter von 90 Jahren der US-amerikanische Fotograf japanischer Herkunft Ishimoto Yasuhiro (14. Juni 1921 – 6. Januar 2o12) .

Er bestimmte gerade den Blick auf die moderne Architektur mit, indem er mit Walter Gropius und Tange Kenzô über die Strukturen japanischer Architektur und ihre Einflussmöglichkeiten auf Bauten des 20. Jahrhunderts schrieb: Katsura: Tradition and Creation in Japanese Architecture (1960). Die Offenheit und Schlichtheit, die diese Männer in feudalen japanischen Bauten mit ihren Gärten sahen, sollte ihr Schaffen nachhaltig prägen.

Zur Zeit sind Ishimotos Monochromfotografien dieser kaiserlichen Villa “Katsura” 桂離宮 im Südwesten Kyôtos zu sehen. Die Bilder werden der architektonischen Meisterleistung, die dieser Park aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts ist, mehr als gerecht. Ishimoto achtete auf die Details, die den Blick der Besuchenden unbemerkt lenken. Bis zum 12.3.2012 ist die Ausstellung, die durch persönliche Schenkungen des Fotografen an das Archiv bereichert wird, noch in Berlin zu sehen.

Und die Seite des Bauhaus-Archivs ist hier: Ishimoto im Baushaus-Archiv, Berlin

Einige Bilder von ihm sind auch hier zu sehen: A Japanese Book.Dezember 2010

Eine Betrachtung von Ausstellung im Zusammenhang mit der Villa selbst ist hier: Katsura: Moderne Architektur im feudalen Japan .

Der Standard: Foto-Altmeister Yasuhiro Ishimoto gestorben
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Globalisierung des Wahnsinns: Kanada

Wie einige queere Plattformen des englischsprachigen Raums heute berichten, versucht nun die konservative Regierung Kanadas unter Premierminister Stephen Harper ganz praktisch zwei Fliegen mit einer Diskriminierungsklappe zu schlagen. Menschen, die keine kanadischen Staatsbürger*Innen sind, sind nicht verheiratet, wenn dies in ihrem Herkunftsland nicht erlaubt ist. Das gilt natürlich nur für homosexuelle Menschen.

Kanada war 20. Juli 2005 mit dem Civil Marriage Act das vierte Land der Welt und das erste auf den amerikanischen Kontinenten, das durch eine geschlechtsneutrale Definition der Ehe eine Gleichstellung homosexueller mit heterosexueller Zweisamkeit rechtlich herbeiführte. Die konservative Regierung, die durch die vorgezogenen Neuwahlen am 2. Mai 2010 erneut im Unterhaus die Mehrheit – diesmal zum ersten Mal die absolute – gewann, scheint sich nun daran zu machen, dieses Erbe der Regierung der Liberalen, die 2006 die Unterhauswahlen verloren, durch Aussitzen abzuschaffen. International hat sich Kanada schon mit dem Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll unmöglich gemacht, und nun soll wohl die Begründung von unterschiedlichem Recht in anderen Staaten für die Ungleichbehandlung von Menschen im eigenen Land herhalten. Das Ganze ist eine einzige Farce. Denn seit wann gilt: was in deinem Land (un-)recht ist, nehmen wir als Basis, dich bei uns zu diskriminieren?

Premierminister Harper sagte gegenüber der Presse (Huffington Post Canada), dass er die Diskussion zu LGBT-Rechten nicht wieder öffnen würde. Damit ist der Fall in die Gerichte abgeschoben, an die sich Betroffene gegebenfalls jetzt wenden können und sollen. Was schwierig wird, wenn mensch nicht Staatsbürger*In Kanadas ist. Es wird wieder auf die Individuen geschoben; sie können sich ja um die (Wieder-)Anerkennung selbst bemühen.

Aufsehen erregte diese seltsame Konstruktion, dass Paare, die im eigenen Land nicht heiraten dürfen, das eigentlich auch nicht in Kanada können, als sich ein lesbisches Paar scheiden lassen wollte. Die beiden Frauen hatten in Toronto 2005 geheiratet und erfuhren nun vom Justizministerium, dass sie sich nicht legal trennen könnten, weil sie nach dem Gesetz gar nicht verheiratet sind. So machte in diversen social networks (siehe Artikel Huffington Post) die Runde, dass heute morgen Menschen in dem Land aufwachten und feststellten, dass der Staat sie geschieden hätte. Das nahmen dann auch einige AktivistInnen wie der US-amerkanische Aktivist Dan Savage zum einen Anlass, erst einmal kopfschüttelnd zu sagen: ich muss meinem Mann jetzt erst einmal erzählen, dass wir geschieden worden sind.

Zur Zeit dreht sich in Kanada jedoch erst einmal alles im Kreis, da die Regierung sich nicht konkret dazu äußert, was sie in der Diskussion nicht öffnen will. Gleichzeitig hängen die Paare in der Luft, weil sie ihren legalen Status auf einmal in Frage gestellt sehen. Auf einmal jedoch nicht nur in Kanada. Ob das auf die Dauer für Witze herhält – selbst Savage wird bei seinen Updates immer verwirrter ob der Konsequenzen für seinen Partner und sich – , wage ich zu bezweifeln. Denn wenn es Konservativen in den Sinn kommt, diskriminierende Gesetze anderer Länder als Entschuldigung der Diskriminierung im eigenen Land den Mund zu reden und zu sagen, du kannst ja klagen, wenn es dir nicht gefällt, dann sehe ich Tür und Tor für noch ganz andere unschöne Dinge offen.

Nachtrag (15.1.2012): Laut Advocate vom 13.1. 2012 ließ der Justizminister, Rob Nicholson, an jenem Freitag in mehreren kanadischen Medien verlauten, dass die bisher geschlossenen und auch die zukünftigen rechts sind. Der Justizminister widerspricht der Aussage Premierminister Harpers, das Gesetz nicht noch einmal öffnen zu wollen. Der Druck wird von AktivistInnen damit nicht aufhören, denn es scheint gesetzliche Schlupflöcher zu geben, wenn ein Mitarbeiter des Ministeriums einfach einmal die Rechtmäßigkeit einer Eheschließung im eigenen Land aberkennen kann. Lambda Legal, das National Center for Lesbian Rights, die American Civil Liberties Union, Gay and Lesbian Advocates and Defenders sowie Freedom to Marry gehen jedoch aus, dass sich die Gerichte an das Gesetz halten und die Ehen nicht auflösen werden, das hätten sie die Jahre zuvor auch nicht getan: “LGBT Legal Groups: Canadian Marriages of Same-Sex Couples Are Not in Jeopardy”. (Website Lambda, 12.1.2012).

Nachtrag (7.2.2012): California, in einer 2:1-Entscheidung (Dokument hier) das Berufungsgericht, dass Proposition 8 (Eliminates Rights of Same-Sex Couples to Marry. Initiative Constitutional Amendment) verfassungswidrig sei. Es dürfen jedoch noch keine Ehen wieder geschlossen werden. Zur Geschichte von Prop 8 hier.

Nachtrag (18.2.2012): Gestern sollte Generalstaatsanwalt und Justizminister Rob Nicholson in der Regierung die Lücke im Gesetz schließen: Canada expected to fill gay marriage ‘gap’ today (Pink News, 17.2.2012).

TimeOpinion: A Visual History of the Gay-Rights Movement
equal marriage homepage
canada-marriage-faq von Lambda Legal (pdf)
Pink News: Legal groups: Canada’s overseas gay marriages are safe (12.1.2012)
‘Sieben Jahre nach der Eheöffnung. Kanada: Sind Tausende Homo-Ehen ungültig?‘ (13.1.2012) bei queer.de
‘Canadian Gov’t Dissolves Thousands of Same-Sex Marriages (Including Dan Savage’s)’ (12.1.2012) auf  Unicorn Booty
‘Same-sex marriage advances in Canada’ (2005) in der Washington Post
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Die Einzelgängerin: Meine Jahre

Wir, die wir uns für wichtig halten und unsere Meinung der Welt mitteilen wollen, wagen einen Blick zurück und einen Blick in die Glaskugel. Mein Jahr 2011 begann, wie ich hoffe, dass 2012 enden wird: in Japan. Ich besuchte im Januar eine meiner Lieblingsstädte January 2011dieser Welt und dachte mir auf ein Neues, wie klein ich in dieser Welt doch bin. Witzigerweise beruhigt mich dieser Gedanke immer wieder. Ich liebe Hiroshima, und ich hatte wieder viele Ideen, wie ich meine Eindrücke verarbeiten kann.

2011 war ein wichtiges Jahr, und nachdem ich 2009 als annus horribilis und 2010 kaum in Erinnerung habe, war das eine wunderbare Abwechslung. Ich verließ Japan am 24. Januar, und bekam nach meiner Rückkehr nach Deutschland viele beunruhigte Mails, ob ich es denn rechtzeitig geschafft hätte. Als am 11. März 2011 das Higashi-nihon Dai-shinsai (“Das Große Erdbeben Ostjapans”) 東日本大震災 zuschlug, war ich nicht mehr im Land. Und doch bangte meine Familie bis Anfang Juni um das Überleben besonders einer sehr guten Freundin. Sie wohnte in Sendai. Als wir endlich von ihr erfuhren – wir hatten eine japanische Anzeige in einem der online Suchmaschinen aufgesetzt -, schrieb sie nur, dass sie alles verloren hatten. Es sind die kleinen Dinge, die unser Leben erträglich machen. Denn sie schrieb, dass sie am meisten bedaure, nicht mit Minato mirai January 2011uns kommunizieren zu können, da sie ihr Deutschwörterbuch verloren hatte. Seit dem haben wir von ihr nichts mehr gehört. Ich hoffe, ihre Familie hat eine Unterkunft finden können.

Ich reiste im Februar von Tokyo nach San Francisco, um eine Freundin zu besuchen. Ich wollte diesen Ausklang, weil ich nach etwas suchte. Eine jede Reise führt uns zwangsläufig zu uns selbst, und ich wollte zu mir finden. Wir sprachen viel über meine Zweifel, mit Anfang 30 noch einmal neu anfangen zu müssen. So bezeichnete ich meine Erkenntnis, lesbisch zu sein. Bei einem Kaffee in der Februarsonne in Mission – nach einem langen Spaziergang durch Castro – fragte mich meine Freundin, warum ich mich unbedingt festlegen will. Ich wüsste doch, dass ich nicht heterosexuell bin. Meine Antwort war, dass ich das politisch sehe. Ich bin auf der Suche nach Traditionen und Kämpfen, in die ich mich einordnen, gegen die ich auch anstoßen kann. Ich habe immer Frisco February 2011die Geborgenheit einer Community gebraucht. Und wenn ich mich selbst nicht definiere, tun es andere. Denn wie oft habe ich schon sagen müssen, dass ich nicht auf der Suche nach meinem TraumPRINZEN bin. Und das hat nach SF nicht aufgehört. Ich war mir nur sicher geworden, was ich will. Seitdem fühle ich mich wohler und offener. Ironischerweise habe ich danach angefangen, mich weiblicher zu kleiden und spielerischer mit mir und meinem Körper umzugehen.

2011 reifte in mir der Gedanke, keine Karriere in der Politik machen zu wollen. Zwei Jahre lang kämpfte ich als Feminist in der Partei DIE LINKE für Selbstermächtigung und Autonomie, und als dann beim Parteitag in Erfurt alles über den Haufen geworfen wurde, woran ich politisch glaube, hatte ich keine Lust mehr. Ich habe vergessen, mich mit dem Parteiprogramm zu beschäftigen, was viel über meine Motivation aussagt. Ich hatte mir bis zum Ende des Jahres eine Frist gesetzt, ob ich austreten soll. Eigentlich war die Antwort schnell klar geworden.

Als sich auch wissenschaftlich wenig ergab, worauf ich eine Karriere an der Universität aufbauen konnte, war auch auf diesem Gebiet meine Motivation flöten. Ich hatte immer geglaubt, dass ich die Einsamkeit der Forschung mit meiner eigenen Leidenschaft für das Forschen und Wissen ausgleichen könnte, aber weit gefehlt. Ich hatte im April zwar ein Stipendium bekommen und konnte nicht über finanzielle Sorgen klagen. Aber September 2011mangelnder Eigenantrieb und fehlende Betreuung taten ihr übriges, um mich aus meiner Dissertation zu kegeln. Erst gegen Weihnachten schaffte ich es, mir über einen Nebeneinstieg wieder Zugang zu meiner Neugierde zu schaffen.

In der Zwischenzeit hatte ich Literatur zu meiner Sexualität gelesen. Denn ich finde den Zugang zur Welt über Bücher. Ich las Isherwood, US-amerikanische gay plays, Sarah Waters. Zur Zeit lese ich Klaus Manns Memoiren, weil schon Christopher schrieb, sie hätten sich 1936 in Amsterdam getroffen. Ich warf einen Blick in Bücher und Texte zur “Knabenliebe” nanshoku 男色 im frühneuzeitlichen Japan an.

Und das bringt mich zu meinen Texten. Ich habe drei Jahre mit dem Frankensteinstoff gekämpft. 2012 sollen meine Erzählungen fertig werden. Ich möchte die Begegnung in September 2011Amsterdam bearbeiten, über die Verfolgung Homosexueller in der direkten Nachkriegszeit schreiben. Dafür reiste ich: 2011 war ich das erste Mal in Auschwitz (English blog post). Meine Nicaraguaerzählungen harren der queeren Vervollständigung. Denn ich glaube, dass es zur Zeit k
eine guten historischen Romane von Frauen und für Frauen gibt. Wir lassen uns intellektuell verdummen. Und das für viel Geld. Aber das ist eine andere Erzählung.

Wichtig ist mir in diesem Jahr, dass ich weiterreise. Emotional, intellektuell und sexuell. And the rest shall not be silence.

Jahresrückblick von Kweens: Der große Jahresrückblick 2011
Puzzlestücke: Alles Gute!
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Unbehagen der Geschlechter: Spiel der Stereotype in “Romeos”

(Achtung: Spoilers) Transidentitäten verursachen doch ein „Unbehagen der Geschlechter“ (Butler). Das war in der Kritik an der FSK  (Teil 1 der Diskussion hier) zu lesen, aber auch in der Berlin Premiere im Kino International zum MonGay am 5. Dezember zu spüren. Transsexualität ist strukturell die Hinwendung zu einem Geschlecht und die Ablehnung von einem anderen in einer Person. Und das erzählt der Film Romeos in einer Liebesgeschichte und Entdeckungsreise. Wie in einer Coming-of-Age-Erzählung üblich wird gegen Widerstände gekämpft und der eigene von Vorstellungen verstellte Blick geschärft und geändert. Am klassischen Ende kommt der Held in der Gesellschaft an, die ihn erst ablehnte, um ihn dann verändert zu akzeptieren. Dass dafür nicht nur Stereotype benutzt und gebrochen wurden, sondern auch struktureller Sexismus vorkommen musste, bereitete mir Unbehagen.

Die Regisseurin, Sabine Bernardi, sagte in der Printausgabe der Siegessäule (Dezember) , dass ihr Film mit Stereotypen spielt. Sie bezieht sich damit vor allem auf den Machotyp Fabio:

Und ich fand es reizvoll, dass sich bei jeder Figur diese erste Rolle mit der Zeit auflöst. Ich wollte gern, dass man an vielen Stellen auch über die Rollenverständnisse nach und nach umgekrempelt werden. Das sollte eine leichte Ironie haben, aber trotzdem auch Emotionalität.

Ich würde Nadin vom Blog Kweens zustimmen, dass genau die Stereoytpe wie der Macho Fabio, die Lipstick-Lesbian und beste Freundin Ine sowie die um Verständnis bemühte heterosexuelle Umgebung auf die Fassadenhaftigkeit von Normalität weisen. Gerade die Transphobie der (Kölner) queeren Szene, deren Unbehagen mit Körpern, die sich nicht eindeutig einordnen lassen, wird mit Nachsicht und feiner Ironie gezeichnet. Ein Unbehagen in Film und Publikum macht sich an diesem Körper fest, der sich (noch) nicht eindeutig zuordnen lässt. Das macht den Charme des Filmes im Spiel mit Stereotypen und Vorannahmen aus. Das war auch an den Reaktionen im International zu spüren. Sehr schnell wird der Macho Fabio für den Protagonisten, der nach seinem Outing für seinen Zivildienst nach Köln kommt, zum Objekt der Sehnsucht. Als pre-op FtM Transsexueller wird Lukas in das Schwesternwohnheim geschickt. Auf Parties, am See im heißen städtischen Sommer versteckt Lukas seinen Körper unter T-Shirts und Jacken. Die Verwaltung stellt dabei ebenso neugierige und übergriffige Fragen wie Fabio, nachdem er es erfahren hat.

Mein Unbehagen rührt von der Thematisierung des weiblichen Körpers als etwas Abzulehnendes. Die Erzählung einer Geschlechtsanpassung ist strukturell die einer Ablehnung und Überwindung von etwas Unerwünschtem hin zu etwas Erträumten. Dementsprechend fährt der Blick der Kamera über nackte Männerbrüste und konstruiert biologische Geschlechter. Ine kommentiert kurz nach Lukas’ Ankunft im Schwesternwohnheim seinen Achselhaarwuchs, später seine veränderten dickeren Augenbrauen und seinen Schweißgeruch. Der Blick auf den Bartwuchs zeichnet eine biologische Männlichkeit. Geschlecht wird am Ende als biologisch festgelegt erzählt, und es gibt keine Figur, die das brechen würde. Gerade die Abwesenheit anderer queerer Identitäten, die eben nicht der heteronormativen Dichotomie entsprechen, ließ mich manchmal seufzen.

Mir ist bewusst, dass es sich bei Romeos um eine junge Liebesgeschichte und Selbstfindung handelt, die das Unbehagen mit karthartischen Lachen abfedern möchte. Und dafür mag ich diesen Film. Doch der Sexismus als comic relief fand ich unangebracht. Wenn Lukas Ines nackten Brüste am See berührt, um freudig zu verkünden, dass diese bald bei ihm weg sein werden, ist das aus seiner Perspektive zu verstehen. Doch die Abwertung des weiblichen Körpers wird nicht gekontert. Die Party-Lesbe Ine kann es nicht, da sie als beste Freundin der Sidekick ist, die ihm in die Szene einführen darf.  (Ich war kurz versucht, den Bechdel-Test bei ihr anzuwenden). Ihre Liebesnöte kontrastieren mit den seinen und sind die dramatischen Momente, in denen er seine beste Freundin zu verlieren droht und sich entscheiden muss, wieviel ihm sein altes Leben bedeutet. Nach einem kurzen Streit, in welchem sie ihm vorwirft, er würde sich nur noch mit „Transsachen“ und damit mit sich selbst beschäftigen, liegen sie später in ihrem Bett und sie umarmt ihn. Die alten Bilder ihrer Freundschaft kommentiert er mit der Ablehnung seiner „dicken Schenkel“ als Miriam.

Das Überkommen von Transphobie wurde im Kino am Montag beklatscht, doch auch hier machte sich Unbehagen breit. Im Alkoholrausch landet Lukas im eigenen Bett mit Kumpel Sven, der ebenso verlassen wurde. Beide wollen sich miteinander ablenken. Lukas versucht, sich seines Körpers zu erwehren, bevor er sich als pre-op outet. Ein kurze Verwirrung folgt, dann greift der Partner kräftig nach Lukas’ Brüsten und meint, dass es eben einmal vorne reingehen könnte. Das Gelächter war groß, und doch blieb gerade bei Frauen in meiner Umgebung das Gefühl eines tätlichen Übergriffes. Lukas hat zu diesem Zeitpunkt schon ‘nein’ gesagt. Erst ein kräftiger Schubs und ein weiteres ‘Nein’ befördern den Jungen aus Lukas Bett. Das Abstreifen von transphoben Vorurteilen wurde goutiert, der körperliche Übergriff belacht.

Zum Macho gesellst sich relativ am Ende das Stereotyp der Blondine, die Fabio als seine „Streuprinzessin“ zur Billardbar schleppt. Seine tumbe Nachbarin plappert über Beziehung und Männer vor sich hin, um einen komischen Effekt zu den sehnsüchtigen Blicken zwischen Lukas und Fabio zu bieten. Als sich Ine nonchalant als Lesbe bezeichnet, könnte das Interesse der Nachbarin gar nicht größer aus. Die kleine Brechung dieser typischen Konstellation von zwei ‘Heteropaaren’ liegt darin, dass Ine die ‘Konkurrentin’ abschleppt, damit Lukas Fabio mitnehmen kann.

Die Zusammenführung der Geschlechter findet in einer Szene in einer gay bar statt, die auch in slow motion eine Erkenntnis in Lukas anzeigt. Nach dem Streit mit Ine über deren Liebesnöte und nach transphoben Sprüchen von Fabio lauscht Lukas dem wunderschön melodramatischen Alt von der Dragqueen Cassy Carrington, gespielt von Ralf Rotterdam. In dieser kleinen Szene verwischen die Grenzen der Geschlechter und das Unbehagen verschwindet. Der Weg zum Ziel der Sehnsüchte, die (Selbst-) Aufnahme des Helden, liegt bei einer Liebesgeschichte in den Armen des Partners und in einer queeren Coming-of-Age-Erzählung in einem Körper, mit dem wir bewusst und behaglich spielen können.

Kinostart: 8. Dezember 2011

BERLIN – Do., 15.12. bis Mi., 21.12. – Xenon Kino und Sputnik Kino

Nachtrag: bedenkenswerter Post auf Teile des Ganzen Derailing „Romeos“?  zur Einseitigkeit der Diskussion nach der FSK-Beschränkung auf die Themen ‘schwul-lesbisch’

Seite des Verleihs Pro-Fun Media
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Vorsicht: Das kann Ihre Tochter schwul machen!

Das hätte sich der FSK wohl auch nicht träumen lassen. Kaum bemüht sich dieses Gremien zum Schutz unserer Kinder vor unerwünschten Einflüssen und setzt die Altersbeschränkung für die Teenagerliebesgeschichte Romeos … anders als du denkst von 12 auf 16 Jahre hoch, vibriert das Internet. Nun könnten sich die besorgten Erwachsenen bestätigt sehen, dass der von ihnen herbeifabulierte Einfluss real ist und am Ende die pathologisch gefürchtete ‘Homolobby’ dahintersteckt, um unsere Kinder in einem beeinflussbaren Alter zu Sodom und Gomorrha, also zu Nicht-Heterosexualität, zu verführen. Und das 2011! Denn immerhin sind kleine Menschen wie Schallplatten, in die ‘Perversitäten’ einprägt werden, und durch ein paar harmlose Bilder werfen Menschen auch alles über Bord, was sie von Erwachsenen an ‘Richtigem und Wahrem’ gelernt haben.

Als erstes las ich bei Nadine von der Mädchenmannschaft über den Skandal. Die FSK schreibt zwar, dass sie das schwierige Thema sieht, aber Kinder unter 16 durch die positive Darstellung einer transidenten Liebe desorientiert werden. Auch die Fünf Filmfreunde sehen, dass eine „explizite Darstellung von schwulen und lesbischen Jugendlichen“ (FSK) Toleranz oder Verständnis fördern könnte, aber die FSK fürchtet, dass „[d]er Film [...] eine verzerrte Realität wider[spiegelt], die Kinder aufgrund keiner oder zu geringer Erfahrungen nicht erkennen können“. Dass Kinder cleverer sind, sich mit Dingen, die sie – von der FSK auch nur angenommen, nur möglicherweise – nicht kennen, auseinanderzusetzen, kommt diesen besorgten Erwachsenen gar nicht in den Sinn. Der Blog Bisexualität stellt dann auch fest, dass ganz andere Filme, die ja so viel näher an der Erlebniswelt von Kindern wie Twilight oder Harry Potter sind, auch eine FSK-Freigabe von 12 bekamen.

Dabei steht bei diesen Erwachsenen komplett außer Frage, dass nur die Nähe zu etwas Schwulem – und davor haben sie besonders Angst – einen (jungen) Menschen dazu verführt, sich etwas zuzuwenden, was die Gesellschaft noch immer verdammt oder wenigstens außerhalb der eigenen vier Wände nicht gern sieht. Die FSK hat recht in ihrer Sorge, wenn sie Jugendlichen vor der eigenen Homophobie schützen will. Denn wer in der Phase der „sexuellen Selbstfindung“ (FSK) durch die „völlig einseitige Darstellung von Homosexualität im Film“ zu einem positiven Selbstbild käme, würde sehr schnell an den gesellschaftlichen Realitäten ankommen. Die FSK warnt ganz passend besonders vor sich selbst.

Und dass die Umwelt uns einfach umdreht, hat doch schon ein Bürgermeister in Peru bewiesen. Der Schwermetallgehalt im Wasser wäre etwas, dass Menschen schwul machen würde. Ist der Bürgermeister also doch auch der Meinung, dass es etwas wie einen Schalter im Menschen gibt, dass er von einem Tag auf den anderen von anderen gehasst und verfolgt werden will? Sich etwas zuwenden, was in Peru abgelehnt, in den USA zu einer erhöhten Suizidrate unter Jugendlichen führt, in vielen Ländern unter Todesstrafe steht? Genetisch kann es nicht sein, sonst würde das peruanische Wasser uns doch manipulieren. In Japan gibt es mythische Fabelwesen, Kappa, die Menschen ins Wasser ziehen, wenn sie diesem zu nahe kommen. Sie dringen durch den Anus in uns ein und stehlen unser 尻子玉 Shirikodama (Anusjuwel). Der Forscher und Autor Hiraga Gennai Kappa, eine Wasserfabelwesen(1726-1779) aus dem frühneuzeitlichen Japan schrieb in seinen Erzählungen Nenshigusa kôhen (Nenashigusa, 2. Teil, 1768), dass diese Wesen uns schwul machen, da einer von ihnen sich in einen Kabukischauspieler verliebte, ihn aber nicht mitnehmen konnte. Da die radioaktive Verseuchung des Tokyoter Wassers ansteigt und diese Wesen die Flüsse und Gewässer Japans beschützen, kann der Bürgermeister seine angstvollen Erkenntnisse vielleicht bald auch an die Insel weitergeben.

Der Wahnsinn galoppiert, wenn es um die Hysterie Erwachsener geht, Kinder auf ‘normal’ zu trimmen. Die FSK hat wieder einmal bewiesen, dass Nicht-Heterosexualität im besten Fall die tolerierte Ausnahme ist. Sie befindet sich in guter schlechter Gesellschaft, wie auch einige homophobe/ transphobe Kommentare auf den Blogs gruselig zeigen. Von einer herbeiphantasierten Normalität wird dort geschwafelt, und das alles im Namen unserer Kinder, die geschützt werden müssen. Wovor genau, wenn sie doch nur sich selbst kennenlernen und anderen Respekt zeigen können, ist meine Frage. Und dass Menschen, auch weibliche, von einem Film oder das Trinken von Wasser schwul geworden wäre – denn etwas anderes scheint in den fiebrigen Gehirnen der geängstigten Erwachsenen nicht zu existieren -, möchte ich einmal wissen. Und wenn dem doch so wäre; wer hätte einen Schaden davongetragen?

Zum Film (Spoilers ahead): Unbehagen der Geschlechter: Spiel der Stereotype in “Romeos”

geänderte Begründung der FSK ohne Änderung der Altersempfehlung

Nachtrag: Am 28.12.2011 setzte die FSK die Altersempfehlung auf 12 herunter.

Erklärung der Regisseurin, Sabine Bernardi
laufmoos vom 6. Dezember 2011: FSK 16
Kweens, Lesbian Ranting – Popkultur aus Lesbisch vom 5. Dezember 2011: Sommer, Party, Gender Trouble in “Romeos”
taz vom 5. Dezember 2011: Dieser Film macht schwul
Du&Ich: „Romeos” zu explizit? Umstrittene FSK-Altersfreigabe ab 16
queer.de vom 2. Dezember 2011: “Romeos” erzählt von kleinen Unterschieden
Presseerklärung vom LSVD vom 1. Dezember 2011: Homophobe Begründung der FSK
ausführliches Interview mit der Regisseurin in der Printausgabe (Dezember) der Siegessäule: Auszug
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Buffy, übernehmen Sie!

In ihrem Artikel schreibt Jenni Zykla in der taz vom 23.11.2011, dass Vampire nur dann funktionieren, wenn ihre Geschichten auch ohne magischen Elemente funktionieren würde. Und genau das ist das Problem und Faszinosum des Booms von Vampirgeschichten der letzten Jahre in Buch und Film. Twilight (Stephenie Myers) ist eine Teenieschmonzette, die Jungmädchenträume in der ältesten Form von Ritter und gemarterter Prinzessin erzählt, während Vampire Diaries (Lisa Jane Smith) ein Highschooldrama nur ohne den Campfaktor von Glee ist. True Blood zeigt uns in den Büchern der Sookie-Stackhouse-Serie (Charlaine Harris) ein Jungfer, die sich in böse Buben verliebt, als Serie ist es wenigstens ästhetisch durch viel Sex und Gewalt ansprechend. Nur unsere Lieblingsvampirjägerin scheint dabei den Verstand behalten zu haben, um diesem Boom einen Pflock in Herz und Hirn zu jagen.

Diese Bücher und Romane erzählen Geschichten, die ohne die übersinnliche und übermenschliche Beigabe von Vampiren, Werwölfen, Formwandlern die langweiligsten wären, und ich gehe wohl nicht fehl in der Annahme, dass sich das derzeitige Fanpublikum das nicht mehr ansehen würde. Denn der Plot ist vergleichsweise dünn. Sie sind dem gothic des 19. Jahrhunderts insofern ähnlich, dass auch sie psychische Zustände des Menschen externalisieren und in das Unheimliche, Unbekannte verlagern. Edmund Burke schrieb in seinem Aufsatz über das Erhabene A Philosophical Enquiry into the Origin of our Ideas of the Sublime and Beautiful (1757), dass es von uns nicht erfasst werden kann. Seine Macht über uns zieht es aus unserem Unwissen über seine Quelle und seine Wirkungsmechanismen. Somit bestimmt es unsere Leidenschaften und unsere Sehnsüchte. Wir geben uns ihm hin, weil es uns gegen unsere ratio handeln lässt. Doch 200 Jahre wissenschaftlich-medizinischen und soziokulturellen Fortschritts haben Wesen wie Vampire zu etwas Irdischem gemacht. Wissen über Verwesungsprozesse, Genetik, Körperfunktionen machen sie zu einer Unmöglichkeit werden lassen. Sie sind selbst für unsere Imagination ungefährlich geworden. Trotzdem wollen wir uns gruseln. Deswegen sind diese blutleeren Figuren zu dem geworden, vor dem wir uns nicht guten Gewissen fürchten können, wenn nicht an unserem Verstand gezweifelt werden soll.

Die Romane um die Wende vom 18. ins 19. Jahrhundert spielten ganz bewusst mit den Angstzuständen der Lesenden. Nicht umsonst warnten Hüter der Moral und Erzieher vor  den Einflüssen des Romans, der im 18. Jahrhundert als Freizeitbeschäftigung und als Einkommensquelle von Frauen im Bürgertum beliebt wurde, vor seinem schädlichen Einfluss auf die weiche Natur des schwachen Geschlechts. Und in den gothic novels konnte sich Frauen entführen lassen von Bösewichten, ohne gesellschaftliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Jane Austen karikierte die Leichtgläubigkeit und Empfindsamkeit von Frauen in Northanger Abbey (1817), in welchem die leicht entflammbare 17-jährige Catherine Morland erkennen muss, dass jedes übernatürliche Phänomen nur in ihrem Kopf entsteht und alles eine logische, rational wissenschaftliche Erklärung hat.

Auch Bram Stokers Dracula als Nachfolger solcher Erzählungen wie Dr. John Polidoris The Vampyre (1816) aus dem Jahre 1897 ist eine verklemmte Darstellung viktorianischer Sehnsüchte nach der Fremde als Ort und als Person. Der Graf wird nur durch die Erzählung der sich für rational haltenden Männer repräsentiert. Prof. Abraham von Helsing stellt ihn immer wieder als Kind dar, dessen Bösartigkeit beginnt zu erwachen, weswegen der Blutsauger so schnell wie möglich getötet werden muss. Sein Einfluss auf die Frauen ist das Gefährliche, denn je mehr sich Minas Freundin den Rufen des Grafen hingibt, desto hysterischer werden die Warnungen van Helsings,  dass auch die Verlobte des jungen Haupthelden Jonathan Harker unter diesen Bahn fallen könnte. Nicht von ungefähr stellte Anthony Hopkins den Prof. in der Coppola-Verfilmung von 1992 als nicht ganz zurechnungsfähig dar. Während der gesamten Lektüre des Buches fragte ich mich, worin nun real die Gefahr durch den Grafen bestehen sollte: In der Reaktion der guten (christlichen) Viktorianer liegt das Neue und Spannende des Romans. Die Hysterie der Männer, etwas ihnen Unbekanntem zu verfallen, hat etwas ungemein Erheiterndes.

Darin bestehen auch die Probleme des modernen Vampirbooms. Während Anne Rice die Vampire ihr Leben in The Vampire Chronicles (1976 bis 2003) selbst kommentieren ließ und sie aus der eingeschränkten Sexualität entließ, geben die Erzählungen der letzten Jahre vor allem von Frauen dem Genre nichts Neues hinzu. Harris schreibt in ihren Büchern den Untoten zwar Emanzipationswünsche auf den bleichen Leib, die Produzent Alan Ball in der beliebten Serie True Blood herausstreicht und mit viel Lust an schönen Körpern und Dreck visuellen Ausdruck verleiht. Jedoch ist der Weg aus dem „coffin“ wie aus dem Wandschrank („closet“) ausgesprochen problematisch, da im Gegensatz zu LGBTQ-Menschen Vampire eine ‘reale Gefahr’ für Menschenleben darstellen, wie  Anita Sarkeesian von femfrequency richtig in ihrem vlog feststellte. Paulina Palmer schreibt in Lesbian Gothic: Transgressive Fictions (1999) über genau das Potential, deviante Sexualitäten zu verhandeln. Eigentlich ist der Vergleich mit Bürgerrechtsbewegungen beleidigend, wenn auch ein strategisch guter Schachzug. Die Vampirin Carmilla (1872) des Iren Sheridan LeFanu war noch lesbisch, weil es für ein viktorianisches Publikum anrüchig und gefährlich war. Heute geht es aber um unsere eigenen Bedürfnisse, über die Frauen schreiben sollten.

Da wären wir aber wieder bei der Sexualisierung von Unsterblichkeit. Zu der Vorstellung von Enthaltsamkeit vor der Ehe gehört die Anheizung von erotischen Phantasien von Entführung, Überwältigung und Vergewaltigung, die wir schon aus dem gothic können. Der Twilight-Reihe wird die reaktionäre Unterdrückung von Verlangen vorgeworfen. Gerade der jetzt angelaufene Teil Breaking Dawn stellt eine gewalttätige Ehe dar, in der Sex nur über Gewalt zu haben ist. Nun sollen sich die Menschen, die sich mit den Ausflüchten des prügelnden Ehemannes Edward zufrieden geben wollen und das für romantisch halten, einmal fragen, was sie raten würden, wenn sie etwas in ihrer Umgebung oder sogar ihnen selbst angetan würde. Im Gegensatz zu den Geschichten des 19. Jahrhunderts, deren Moral eine Verbrüderung nicht zugelassen hätte, lassen wir diese Un-Wesen in unser Haus, jedoch aus anderen Gründen. Wir wollen Geschichten hören, die ohne diese auf dem Blut von lebenden Wesen  basierende Unsterblichkeit auch aus Frauenzeitschriften stammen könnten. Nur würden wir dort jedem Menschen raten, sich von solchen Männern und Frauen fernzuhalten. Bei Vampiren lieben wir Geschichten von häuslicher Gewalt, nächtlichen Überfällen und Mord. Wir wollen uns gruseln, denn ein Vampir wird uns wohl in der Realität nicht in unserer Wohnung auflauern, dann schon eher unser Partner. Das hat sich in den 200 Jahren kaum geändert.

Darum sind gerade die neuen Vampirerzählungen so unglaublich langweilig; denn anstatt den Sehnsüchten nach S&M nachzugehen, werden heteronormative Machtspiele als romantisch und sogar ‘normal’ verbrämt, weil es sich ja bei den Männern um Wesen handelt, die außerhalb der menschlichen Gesellschaft und ihrer Normen stehen. Wenn Myers den Sehnsüchten ihrer Leserinnen ehrlich gegenüber gewesen wäre, hätte sie sich über die Regeln von BDSM informiert. Aber so sind sie und ihre Fans auf der sicheren Seite, aus ihrer alltäglichen Normalität für ein paar Stunden in Dunkelheit in  die allumfassenden Trivialität von feuchten Jungmädchenträumen bei halbnackten Männerkörpern fliehen zu dürfen. Nur leider fehlt in dieser Obsession an schlechtem Geschmack das Befreiende der Theatralik und der Sichtbarmachung von Kitsch. Oder wie Susan Sontag zu diesem Stil in ihren „Notes on Camp“ von 1964 sagte: the „love of the unnatural: of artifice and exaggeration“.

Nachtrag: Zu Ghost and Horror Fiction mit LGBT-Personal im Englischen

Youtube: Twilight in a Nutshell
What Would Buffy Do? Notes on Dusting Edward Cullen Jonathan McIntosh erklärt seine Motivation zum Video (siehe oben) bei bitchmedia
The Lady Garden spricht sich gegen die m.E. von ihr falsch verstandene (feministische) Kritik am dargestellten Sex aus: Twilight critics and sex-shaming
feministe (besonders einige der Kommentare sind gut): The best thing you will read today about Breaking Dawn
AlterNet: The Bloody, Twisted, Inverted World of Twilight: Violent Vampire Sex, Demon-Babies and Overwhelming Female Desire
Beziehungen in Twilight: Using Twilight to Educate About Abusive Relationships
Eskapismus: Ein bisschen Sehnsucht
Spiegel sieht Ironie (ausgerechnet!) in Twilight-Verfilmung: Endlich Sex, endlich Action
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